«Es war eine spannende Zeit»
12.02.2026 Wirtschaft, RomanshornWas mit dem Krankenhaus 1905 begonnen hatte, fand eine «logische» Fortsetzung mit dem regionalen Pflegeheim 1976: Zum 50-Jahr-Jubiläum schauen Toni Loser und Max Brunner zurück. Durchwegs positiv.
Es waren damals bewegte und bewegende Zeiten – darin sind sich der ehemalige Gemeindeammann und Orts-Chronist Max Brunner und der erste und langjährige Leiter des Pflegeheims, Toni Loser, einig. Im Rahmen des 50-Jahr-Jubiläums dieser Institution erzählen sie im Gespräch mit dem «Seeblick» von Episoden und Bemerkenswertem
«Nach der Anschaffung eines Krankenwagens 1894, wurde acht Jahre später das Bauprojekt für ein Krankenhaus genehmigt – Kostenpunkt 74’500 Franken. Bereits 1905 konnte es eröffnet werden. Gleichzeitig wurde ein sogenannter ‹Krankenhaus-Betriebsfonds zur Senkung der Taxen› gegründet. Nach zwei Umbauten gab es im oberen Stockwerk eine Abteilung für Pensionäre (1928) und eine Wöchnerinnen-Abteilung (1935). Und erst 1944 wurde ein Operationssaal eingerichtet», erklärt Max Brunner. Anfang der Siebzigerjahre sei dann die Idee entstanden, das Krankenhaus zu einem Pflegeheim umzubauen. Und als der Regierungsrat entschieden habe, dass es mit Arbon nur ein Spital im Oberthurgau geben solle, sei es rasch vorwärtsgegangen: 1973 ist über das Umbauprojekt abgestimmt und der Betrieb als Krankenhaus kurz darauf eingestellt worden. Auffallend war, dass die Bevölkerung dem Projekt gegenüber überaus positiv eingestellt war.»
Dann war es so weit!
Am 20. Januar öffnete das regionale Pflegeheim (für Dozwil, Egnach, Kesswil, Salmsach, Uttwil und Romanshorn) seine Türen. Neun Monate später waren die 48 Betten bereits alle besetzt: «Ich arbeitete als Krankenpfleger auf der medizinischen Abteilung des Unispitals Zürich, die Stelle als Betriebs- und Pflegedienstleiter des für Romanshorn neuen Pflegeheims war ein Glücksfall für mich. Und auch die Zusammenarbeit mit dem Verwalter Hans Hagios war phänomenal», erzählt Toni Loser. Von 1976 bis 2003 bekleidete er dieses Amt.
Das Wohl im Blick
Für ihn sei immer die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner wichtig gewesen: «Klar ist die Pflege die Hauptaufgabe und macht den grössten Teil der Arbeitszeit der Mitarbeitenden aus. Trotzdem braucht es daneben mehr und anderes, damit sich die Bewohnerinnen und Bewohner auch daheim fühlen können. Darum kam sicher einmal pro Monat das ‹Dorf zu uns›, sprich, war eine Schulklasse, ein Chor, eine Musikgruppe zu Gast bei uns. Die Cafeteria wurde von freiwilligen Frauen betreut und wurde rasch zu einem Begegnungsort. Überhaupt waren die zahlreichen Freiwilligen eine Stütze unseres Betriebes, wenn wir etwas Aussergewöhnliches wie einen Zirkusbesuch oder eine Ausfahrt planten. Ganz besonders in Erinnerung blieben mir die jährlichen Schiff-Fahrten: Ab 1977 haben wir sie über zwanzigmal durchgeführt, am Schluss mit Bewohnerinnen und Bewohnern aus zehn Heimen aus der Region», so Loser.
Und jetzt in die Zukunft
Angesprochen auf künftige Herausforderungen im Gesundheitswesen, sind beide überzeugt: «Auch in diesem Bereich nahmen und nehmen Administration und Reglementierung zu. Pflegende sind vor allem dann unzufrieden, wenn sie ihren Pflegeauftrag nicht mehr wie gewünscht wahrnehmen können. Das habe ich als Heimleiter auch selbst erfahren müssen, wenn ich wegen Büroarbeiten zu wenig Zeit für die Anliegen der Bewohner und Bewohnerinnen hatte. Wenn wir die Herausforderungen durch die Überalterung der Bevölkerung bewältigen wollen, braucht es da eine neue Balance.»
Markus Bösch
