Das feste Netz

  19.02.2026 Kolumnen, Uttwil , Salmsach, Romanshorn

Die in unserer Region weitverbreitete 071-Nummern verschwinden je länger, je mehr aus unserem Alltag. Was nicht nur dem technischen Wandel, sondern auch der sich ständig ändernden Lebensweise geschuldet ist.

Auch wenn der technische Fortschritt und die damit einhergehende Digitalisierung dem Menschen viele Erleichterungen ermöglicht haben, erachte ich es als unvorteilhaft, dem Festnetzanschluss den Rücken zu kehren. Technische Aspekte sind hierbei zweit-, ja sogar drittranging. Es geht vielmehr um die Emotionen und die Lebensfacetten, die ein solcher Anschluss ermöglicht. Ich erläutere Ihnen einige:
Das Haustelefon, wie der Festnetzanschluss auch liebevoll genannt wird, ermöglicht es uns, von der «Immererreichbarkeit» über das Mobiltelefon Abstand zu nehmen. Auch schafft es eine emotionale Bindung, denn das Haustelefon ist ja schliesslich bei uns zu Hause. Ein Ort mit Rückzugsmöglichkeit.

Im mittlerweile schnellen Alltagsleben sehnen sich immer mehr Menschen nach Entschleunigung. Die «Immererreichbarkeit» kann umgangen werden, auch wenn man aus beruflichen Gründen erreichbar sein muss, indem man es folgendermassen handhabt: «Sollte was sein, ruf mich auf mein Festnetz an.» Sie werden erstaunt sein, liebe Leserin, lieber Leser: in 90% der Fälle wird nichts sein. Bis zu einem möglichen Anruf, kann man sich der analogen Welt widmen; einem Buch, einer Zeitung oder einem Gespräch mit den Liebsten.

Das Haustelefon bietet seinen Besitzern jedoch etwas, das kein Mobiltelefon übertreffen kann: einen festen Platz. Es ist ortsgebunden. Es erinnert regelmässig auf die eigene ganz liebevolle Art und Weise durch die Nummer, das schrille Klingeln und seinen Standort – wo man sein Zuhause hat.

Irgendwie eindrücklich dieses Festnetz. Es gibt uns ein festes Netz im Leben.

Liebe Leserin, lieber Leser
Beruflich darf und muss ich viel unterwegs sein. Wie alles im Leben hat auch dies Sonnen- und Schattenseiten. Auch wenn die Sonnenseiten überwiegen, hat es mich seit einigen Monaten dazu bewegt, über unscheinbare Dinge aus dem Alltagsleben nachzudenken. Ich hoffe, Sie genossen eine gute Lektüre.

Sabir Semsi


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