Aus den Ressorts: Betrachtungen zum Armutsrisiko
29.01.2026 Romanshorn: offizielle MitteilungenIn den letzten Jahrzehnten haben in der Schweiz die Statistiken und Untersuchungen zu diesem Thema grosse Fortschritte gemacht. Die Zugänglichkeit zu den Resultaten ist dank Internet kein Problem mehr. Die Informationen dazu sind unter anderem aus der Sozialhilfestatistik des Bundes und den Auswertungen des kantonalen Statistikamtes ersichtlich.
Risikofaktoren auch kommunal relevant
Wichtige Quellen sind weiter die jährliche Erhebung über die Einkommen und Lebensbedingungen (SILC) und die Armutsstatistik des Bundes sowie der Kennzahlenbericht der Städteinitiative Sozialpolitik von 14 grösseren Städten der Schweiz. Die mittlerweile bekannten Risikofaktoren (berufliche Qualifikation, Zivilstand, Migrationshintergrund, Haushaltsgrösse, Lebensalter und Gesundheitszustand) werden eingehend analysiert und beschrieben.
Das sind die relevanten Faktoren
Diese Umstände treffe ich auch in der täglichen Arbeit der Sozialhilfebehörde in Romanshorn an. Nach 15 Jahren als Ressortverantwortlicher und über 2'000 Beschlüssen sind mir zum Thema Armutsrisiko drei wiederkehrende Punkte besonders aufgefallen:
- Erstens betreffen rund 70% der von uns bearbeiteten Dossiers Einzelpersonen. Auf den ersten Blick mag das erstaunen, weil im Zusammenhang mit Sozialhilfe häufig andere Gruppen im Vordergrund stehen, etwa Alleinerziehende mit Kindern. Bei genauerer Betrachtung ist es jedoch plausibel. Armut gehört zu den wichtigsten Faktoren, die Menschen in soziale Isolation führen.
- Zweitens fehlt in über der Hälfte der Fälle ein beruflicher Abschluss. Dieser Anteil ist in den letzten Jahren bemerkenswert konstant geblieben und nicht gesunken, trotz der verbreiteten Annahme, dass heute alle eine Ausbildung machen. Das verdeutlicht eindrücklich, dass eine berufliche Qualifikation ein zentraler Schlüssel zur Armutsprävention ist.
- Drittens fällt der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund auf. In Romanshorn liegt er seit Jahren stabil bei rund 50% der Fälle. Zugleich ist in dieser Gruppe der Anteil der niedrig Qualifizierten besonders hoch.
Belastungen adäquat Rechnung tragen
Da die Sozialhilfe das letzte soziale Auffangnetz bildet, bringen die Betroffenen meist eine ganze Reihe von Herausforderungen mit und kommen entsprechend stark belastet zum Sozialdienst. Dem gilt es angemessen Rechnung zu tragen.
Stadtrat
Peter Eberle
Ressort Soziales
Die Stadträtinnen und Stadträte geben ihre persönliche
Meinung wieder.
