Häsch gwüsst..., wie einst die Grenze zum See verlief und Romanshorn dank mehrerer Aufschüttungen zu mehr Land am See kam?

  07.05.2026 Kolumnen, Romanshorn

... wie einst die Grenze zum See verlief und Romanshorn dank mehrerer Aufschüttungen zu mehr Land am See kam? Eine Zeitreise.
 


Foto: Archiv Stadt Romanshorn

Ein Plan ca. aus dem Jahr 1845 zeigt den Hafen von Romanshorn mit Bucht. Der See reichte bis zu den Fischer- und Schifferhäusern.

In den folgenden Jahren wurde fleissig aufgeschüttet. Aushubmaterial gab es genug, herrschte doch zu jener Zeit eine enorme Bautätigkeit, ganze Quartiere entstanden.

Aufschüttungen für das Bahnhofsgebäude und die Gleisanlagen, den Ausbau des Hafens sowie für das Lagerhaus (heute altes Zollgebäude) und das Kornhaus.

1889 eröffnete ein Herr Gintzburger auf dem Areal des ehemaligen Bretterwarengeschäfts eine Parkettfabrik. Diese wurde 1914 mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs stillgelegt.

Mehr öffentlicher Raum am See.
1927 konnte die Gemeinde Romanshorn das Areal dank finanziellen Zustupfs der EW und Gaswerk AG kaufen. Der Weg zur ersten Etappe des Seeparks war frei. Das Ziel war, vom «Schweizerhaus» (heute Restaurant Panem) bis nach Holzenstein, entlang des Seeufers, das Gebiet öffentlich zugänglich zu machen. 1931 erfolgte die Aufschüttung unterhalb der Alten Kirche. 1951 Kauf des Areals zwischen Inseli und Hydrelareal. 1959 Auffüllen und Umgestaltung des Inselihafens. 1960 zweite Etappe der Seeufergestaltung. 1963 erfolgte die Planung des jetzigen Schwimmbads, das 1968 eigeweiht wurde. 1976, im zweiten Anlauf, ist der Weg frei für den gemeindeeigenen Bootshafen, unterhalb der Alten Kirche.

Bewegte Geschichte des Areals «Bobine Färberei» Hinterwiesen, heutige Parzelle «Seehöfe».
Auf diesem Areal stand eine kleine Bobinenfärberei von Schoop & Gräminger, die gemäss einem Plan schon 1891 eingezeichnet ist. Der Chemiker Dr. Emil Bänziger übernahm 1901 die Fabrik. Sie wurde in den folgenden Jahren bis 1918 immer wieder ausgebaut. Bis zu 150 Leute fanden Beschäftigung.

Westlich der Fabrik erwarb Bänziger die «Villa Rentsch», heute «Eichhorn».


Die geschwungene Hafenmauer, einstiger Privatbootshafen der Villa «Rentsch». Foto: Hansjürg Oesch

Mit dem Tod Bänzigers (1946) wurde die Firma Textil AG eingestellt.

1947 gründete der Fabrikant Karl Bertsch die Maschinenfabrik Hydrel und bezog die Bauten. Es erfolgte ein systematischer Ausbau. Ein Erweiterungsbau wurde direkt auf der alten Hafenmauer erstellt: Direktbau Lager- und Montagehalle. 1983 erfolgte der Abschluss Werk 1 am See mit dem Hochregallager.

Nachdem die Hydrel in das Hofquartier umgezogen war, zogen 2022 auch die letzten Mieter aus. Die umfangreichen Abbrucharbeiten folgten in zwei Etappen.

Im Herbst 2025 erfolgte der Baustart des Areals «Seehöfe».

Monatelang dauerte der Aushub für die Tiefgarage und die Untergeschosse. Dabei wurde auf der ganzen Länge von 120 Metern die alte Hafenmauer freigelegt, die einst die Grenze zum See bildete.


Baustelle «Seehöfe», die alte Hafenmauer ist auf 120 Metern freigelgt. Foto: Hansjürg Oesch
 


Noch gut sichtbar, die Fortsetzung der Mauer Richtung Schlösslipark. Foto: Hansjürg Oesch

Noch sichtbare Zeitzeugen.
Bei genauem Hinsehen ist die Fortsetzung der alten Mauer westwärts der Baustelle noch gut sichtbar, vorbei an der unter Schutz stehenden angrenzenden Villa mit dem ehemaligen Privathafen bis hin zum «Schlösslipark».
Ab dort folgte die letzte Aufschüttung bis hin zur Badi 1983/1984.

Wenn die Arbeiten auf dem Areal «Seehöfe» für die Tiefgarage und Untergeschosse beginnen, wird die freigelegte Mauer wieder verschwinden. Ein kleines Stück der im Moment freigelegten alten Hafenmauer, 1 m × 3 m, soll aber erhalten und sichtbar bleiben.

In der Tiefgarage wird dieser Ausschnitt durch ein Fenster zu sehen sein.


Ein kleiner Teil der alten Hafenmauer wird sichtbar bleiben. Foto: Hansjürg Oesch

So bleibt die Erinnerung an die Vergangenheit bewahrt.

Hansjürg Oesch

 


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