«Mama & Sam», Sarah Kuttner, S. Fischer, 2025
04.06.2026 Kolumnen, Uttwil , Salmsach, RomanshornTanja Bühler

«Mama & Sam»
Sarah Kuttner, S. Fischer, 2025
Dieser Roman beschreibt auf eindrucksvolle Weise eine Geschichte über Einsamkeit, Sehnsucht und die psychologischen Mechanismen hinter «Love Scamming».
Sarahs Mutter ist alleinstehend und hat ihr Leben im Griff. Nur manchmal ist sie etwas einsam. Das Verhältnis zu ihrer Tochter ist schwierig. So surft sie im Internet, «likt» Beiträge oder kommentiert auf den Seiten ihrer Idole. Plötzlich wird sie vom berühmten Schauspieler Sam kontaktiert. Sie kann ihr Glück kaum fassen und es entsteht ein reger Nachrichtenaustausch. Doch die Tochter freut sich nicht mit ihr und warnt, dass dies unmöglich der richtige Sam sein könne. Natürlich hat auch die Mutter immer wieder Zweifel und fordert Beweise für seine Existenz. Vor allem, als Sam Geld fordert, da er nicht auf sein Konto zugreifen kann. Trotz seines Reichtums bittet er immer wieder um finanzielle Unterstützung.
Als die Mutter plötzlich stirbt, versucht Sarah anhand der Chatverläufe herauszufinden, was passiert ist. Beim Lesen der Nachrichten erkennt sie, wie verliebt ihre Mutter war und trotz erkannter Ungereimtheiten viel Geld geflossen ist. Während sie ihre Mutter neu entdeckt, muss sie sich auch mit ihrer eigenen Kindheit auseinandersetzen.
Man liest hilflos mit, wie die Protagonistin in ihr Verderben rennt und möchte ihr zurufen, sie solle den Kontakt sofort abbrechen. Wie kann es passieren, dass eine lebenserfahrene Person in eine solche Falle gerät? Die Methode der «Love Scammer» ist raffiniert und wechselt zwischen Liebesbekundungen und Drohungen.
Es war bedrückend, die aufrichtigen Worte der Mutter zu lesen, die Skrupellosigkeit der Betrüger und zugleich auch die Hilflosigkeit und Wut der Angehörigen. «Love Scamming» gibt es häufiger, als man denkt.
