Der, der den Lernvirus vom Bodensee aus verbreitet hat
14.05.2026 Kultur&Natur, RomanshornEin Dokumentarfilm, der spannender nicht sein könnte – weil jeder Mensch lernt. Fragt sich zuweilen nur, ob und wie: 89 Minuten zeigen Hinter- und Beweggründe von Peter Fratton. Die Premiere war im Kino Roxy.
Der Film ist neu, die Inhalte nicht wirklich und der Protagonist ist bekannt vor Ort: Denn 1980 hat der 78-jährige Peter Fratton die SBW, die «Häuser des autonomen Lernens in einer gestalteten Umgebung» in Romanshorn gegründet. Mit ein Grund für den Stadtpräsidenten Roger Martin sich zu freuen, denn das passe überaus gut zur Bildungsstadt Romanshorn. Und gegen 200 Besucherinnen, Gäste und Freunde gaben sich bei der Premiere ein Stelldichein.
Freude am Lernen
So wie es nicht den einen Erziehungsratgeber gibt, so wenig gibt es die eine richtige Schulform. Wobei: Der SBW-Gründer ist schon überzeugt von seiner Idee von Lernverständnis, denn: «Es braucht eine gemeinsame Haltung, wie gelernt werden soll. Entscheidend ist Beziehung, damit Vertrauen und Zutrauen möglich werden. Alle Beteiligten sollen erfahren, dass sie Mensch sein dürfen, dass sie selbstwirksam und autonom unterwegs sein können. So lernen sie für das Leben am Leben.»
Faszinierend
Was in Romanshorn seine Anfänge genommen hat, breitete sich aus, sozusagen wie ein Virus. Der Film zeigte denn auch verschiedene Stationen und erfolgreiche Geschichten, Schulen in der Schweiz und in Deutschland, die diese Haltung, wie erfolgreiches Lernen sein soll, umgesetzt haben. Es sind Bilder, Szenen und Gespräche mit Kindern, Jugendlichen, Lernbegleitern und SchulleiterInnen, die diesem Lernverständnis ein Gesicht geben. Dass dies so und immer wieder neu gelungen sei, verdanke er seiner Frau, seinen Kindern, seiner jetzigen Lebenspartnerin und all den Freunden und Kollegen/Kolleginnen, so Fratton, sowie der Gründerin der Themenzentrierten Interaktion: «Für Ruth Cohn war klar, dass Themen und Bedürfnisse (der Beteiligten) unbedingt zusammengehören. Und sie hatte mir damals gesagt: Mach und gründe doch eine eigene Schule.»
Neugier
Während Jahren ist Peter Fratton vom Freund und Regisseur Reinhard Kahl begleitet worden: «Es kann etwas gelingen, wenn es auch schiefgehen kann und letztlich ist das, was passiert, eigentlich extrem unwahrscheinlich (so der Soziologe Niklaus Luhmann). Auch darum bin ich dankbar, dass wir heute diesen Film sehen können.» Und spätestens jetzt, mit dem bildhaften Lebenswerk von Peter Fratton vor Augen, wird klar: Es war definitiv ein Virus, der in den vergangenen vier Jahrzehnten viele «angesteckt» hat – bis hin zu den Promotoren des neuesten Projekts, des «Talenticums»: Zurzeit noch in einem Provisorium untergebracht, laufen die Planungen für den Bau des gleichnamigen Gebäudes für all jene, die mit «Neugier ihren Talenten nachspüren wollen».
Markus Bösch





