Familien für die Risiken der Mediennutzung sensibilisieren
09.09.2026 BrennpunktDie Konferenz Frühe Förderung fand bereits zum vierten Mal statt. 160 Personen aus politischen Gemeinden, Schulgemeinden und Fachpersonen aus dem Bereich der Frühen Förderung beschäftigten sich mit dem Thema «Offline mit kleinen Kindern – und wie?». Im Fokus standen der aktuelle Forschungsstand zu Bildschirmzeit in der frühen Kindheit sowie die Sensibilisierung, Beratung und Begleitung von Familien.
Im Kanton Thurgau leben etwa 11‘000 Familien mit Kindern im Alter von 0 bis 4 Jahren. Für diese lud die Fachstelle für Kinder-, Jugend- und Familienfragen des Kantons Thurgau nach Weinfelden ein. Das Schwerpunktthema wurde aus verschiedenen Perspektiven diskutiert. Prof. Dr. Fabio Sticca von der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik in Zürich gab einen Überblick zum aktuellen Forschungsstand zur Nutzung von Bildschirmmedien im frühen Lebensalter. Anschliessend diskutierten die Teilnehmenden, wie Familien auf die Risiken der Mediennutzung sensibilisiert werden können.
Ist Bildschirmzeit schädlich?
Fabio Sticca referierte zum Thema «Vom Krabbeln zum Klicken: Auswirkungen von Bildschirmzeit auf die frühkindliche Entwicklung» und präsentierte aktuelle Erkenntnisse. Seine Kernaussage lautete: «Bildschirmzeit birgt Risiken, doch wie stark das einzelne Kind in der Entwicklung negativ beeinflusst wird, ist davon abhängig, ob digitale Geräte von der Familie zum Beispiel als gemeinsame Lerngelegenheit bewusst eingesetzt werden oder das Kind Bildschirmzeit als Ablenkung oder zum Trost erhält.»
Wenn das Umfeld oder Fachpersonen beobachten, dass kleine Kinder zu viel Zeit vor Bildschirmen verbringen, solle nach den Ursachen gefragt werden. «Da sich Kinder grundsätzlich an ihren Bezugspersonen orientieren, sollten Erwachsene unbedingt auf den eigenen Medienkonsum achten und ihn in Anwesenheit der Kinder reduzieren», sagte Sticca. Es könne davon ausgegangen werden, dass sich die dauernde Ablenkung und Unterbrechung durch Smartwatches oder Handys sich negativ auf die Entwicklung in der frühen Kindheit auswirke.
Familien zu mehr «Offline-Zeit» anregen
Im zweiten Teil der Veranstaltung tauschten sich die Teilnehmenden aus, wie Familien für den Umgang mit digitalen Medien sensibilisiert, informiert und zu mehr «Offline-Zeit» angeregt werden können. An Informationsständen wurde rege diskutiert. Zur Sprache kamen Fragen wie: Was kann eine politische Gemeinde oder eine Schulgemeinde beitragen? Welche Fachpersonen können Eltern beraten und wo finden Eltern medienfreie Freizeitangebote?
Wie Regierungsrätin Denise Neuweiler in ihrem Grusswort erwähnte, unterstützt der Kanton Thurgau mit dem Einkauf der Gemeinschaftsaktion «Go Offline! – keine digitalen Medien bis 4 Jahre» und mit der Bereitstellung von Umsetzungsideen sowie Thurgauer Aktions-Materialien politische Gemeinden, Schulgemeinden und Organisationen dabei, das Thema aktiv und flächendeckend anzugehen. Die Frage «Wie macht ihr das bei euch in der Gemeinde, Schule oder Spielgruppe?» wurde häufig diskutiert. Am Tagungsende war klar: Wenn Kinder wählen können, ziehen sie reale Spielgelegenheiten, Geschichtenerzählungen und Beziehungen der digitalen Welt vor.
Die Präsentationen zur Konferenz Frühe Förderung sind auf der Webseite der Fachstelle für Kinder-, Jugend- und Familienfragen zu finden: 4. Konferenz Frühe Förderung im Kanton Thurgau. Nähere Informationen zur Gemeinschaftsaktion «Go Offline! – keine digitalen Medien bis 4 Jahre» sind unter go-offline-4.ch zu finden.
Redaktion /
Fachstelle für Kinder-, Jugend- und Familienfragen des Kantons Thurgau

