«Lieder, die man sehen muss»

  27.01.2022 Kultur&Natur

Früher «Heinz de Specht», heute Ricklin und Schaub: Sie begeistern mit Mundartkunst und eingängigen Melodien.

So wie sie den Anfang ihres musikalischen Gastspiels auf der Rebsamen-Aula besingen – der erste Eindruck zählt – nehmen sie den vollen Saal mit auf die Reise in den Alltag der wohl meisten: Roman Ricklin und Daniel Schaub gehen im Laden auf die Suche nach Utensilien für das Grillfest und landen bei Weihnachtsdekorationen. Sie erzählen von all den abstrusen, verrückten und aktuellen Begebenheiten, die man «so machen kann, aber nicht muss». Sie singen von Situationen im Lift und im Zug, in denen die Stille zuweilen nur noch peinlich werden kann. Und vom sich als schwierig entpuppenden Gespräch mit der Partnerin, das nicht – wie angedacht
– das Ende der Beziehung, sondern den Kauf der Harley erzählt. Und dann folgt noch das Lied vom Rest, der sich trotz aller Anstrengung in jeder Tube zum Schluss noch finden lässt.

Verkehrszeichen und Emojis
Es sind wie in der früheren Formationauch jetzt die witzigen und berührenden Wortspielereien, die den (wunden) Punkt der Sache treffen und so auch begeistern. Es sind die Flexibilität und Virtuosität, die das Duo auf seinen Instrumenten zeigen. Und das Besondere, wenn sie ihre Lieder mit Bildern untermalen, eigentlich erweitern: Hier mit Verkehrszeichen, die dank des Lieds neue Bedeutungen erlangen, da Emojis, die infantil wirken und doch so viel an Emotionen transportieren: Plötzlich sind es Lieder, die man auch sehen muss. Und schliesslich wird es tiergründig, gleichsam bedrückend beim Lied «Wenn die Schweiz Somalia wäre»: Die Stille vor dem Applaus ist für einmal angebracht und nicht peinlich.

Markus Bösch


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