Strommarkt im Umbruch

  03.09.2026 Wirtschaft, Romanshorn

Die Industrie und Handelskammer (IHK) Thurgau und die IHK St. Gallen-Appenzell luden im Rahmen der Eco-Ost-Arena am Mittwoch, 26. August, Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zu einem Podiumsgespräch im Autobau in Romanshorn ein.

Jérôme Müggler, Direktor der IHK Thurgau, begrüsste die Anwesenden im vollen Saal im Autobau und brachte auf den Punkt: «Strom ist Grundvoraussetzung für uns alle. Im Jahr 2022 wurde uns vor Augen geführt, wie schnell es auch anders kommen könnte. Durch die weltpolitische Lage und die hohe Ausfallquote der Atomkraftwerke in Frankreich.»

Christoph Eisenring, Senior Fellow Avenir Suisse, zeigte auf, wie sich die Stromproduktion in der Schweiz entwickelte. «Von 1955−1980 betrug der Anstieg plus 32 TWh, generiert durch Wasser- und Atomkraftwerke. Von 2000−2025 waren es nur noch plus 2 TWh und das bei steigendem Stromverbrauch. Bis 2050 müssten wir weitere plus 30 TWh generieren.»

Der Weg ist kompliziert und lang
Unter der Gesprächsleitung von Adrian Rossi, Teamleiter und Wirtschaftspolitik IHK St. Gallen-Appenzell, zeigte sich am Podium: Es ist komplex. Einerseits will man möglichst grosse Unabhängigkeit und Strom, der bezahlbar bleibt. Andrerseits das Ziel der Dekarbonisierung vor Augen bis 2050. Ist das zu schaffen? Markus Friedl, Leiter Institut für Energietechnik Ost, meint: «Es tut sich ein Paradies auf für Ingenieure. Verschiedene Energieformen und Speichermöglichkeiten werden die Zukunft sein.»

Beni Würth, Ständerat St. Gallen, appellierte, den Energieexpress vorwärtszubringen. Heikle Fragen werden geklärt werden müssen. Wie AKWs, Stromabkommen und das Zusammenspiel der Netzbetreiber. Sarah Model, Co-CEO Switzerland Model Group, wünscht sich hingegen mehr Eigenproduktion und alle Energie-Optionen offen zu lassen.

Thomas Ochs, Gemeindepräsident Amlikon-Bissegg, sagte: «Wir bringen es nie auf einen Nenner. Man ist für Windenergie, aber bitte nicht vor meinem Garten.» «Energieversorgungsunternehmen müssen sich strategisch klar positionieren und die nötigen Fähigkeiten aufbauen, um den anstehenden Wandel bewältigen können», führte Christian Opitz, Universität St. Gallen, aus.

Peter Graf, Unternehmensleiter der St. Galler Stadtwerke, verwies auf die Zielkonflikte zwischen Versorgungssicherheit, Netzausbau und tiefen Preisen.

Markus Bänziger, Direktor IHK St. Gallen-Appenzell, resümierte: «Grosse Investitionen werden anstehen. Ohne Marktöffnung und Stromabkommen ist das nicht zu schaffen. Die Weichen für 2040 müssen jetzt gestellt werden.»

Hansjürg Oesch
 

Was ist EcoOst?
EcoOst ist eine wirtschaftspolitische Kooperation der Industrie- und Handelskammern (IHK) St. Gallen-Appenzell und Thurgau. Die IHK St. Gallen-Appenzell zählt rund 1700 Mitgliedfirmen aus Handel, Industrie und Dienstleistung und umfasst 85’000 Mitarbeitende. IHK Thurgau über 600 Mitgliedfirmen und 35’000 Mitarbeitende.
Zweimal im Jahr finden gemeinsame Veranstaltungen statt: Das EcoOst-Symposium jeweils im Mai und die EcoOst-Arena.

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