Der Kanton Thurgau schliesst erneut negativ ab
21.03.2026 PolitikZwar schliesst die Thurgauer Staatsrechnung 2025 deutlich besser ab als budgetiert. Es bleiben aber negative Ergebnisse in der Erfolgs- und Finanzierungsrechnung. In der Erfolgsrechnung resultiert ein Aufwandüberschuss von 6,6 Millionen Franken. Die Finanzierungsrechnung schliesst mit einem Finanzierungsfehlbetrag von 95 Millionen Franken ab. Der tiefe Selbstfinanzierungsgrad von lediglich 7 Prozent bereitet dem Regierungsrat Sorgen. Der Kantonshaushalt muss daher dringend konsolidiert werden, um die grossen Investitionsprojekte der Zukunft auf eigene Rechnung stemmen zu können.
Zum dritten Mal in Folge schliesst der Kanton Thurgau die Staatsrechnung mit einem Aufwandüberschuss ab. Die Erfolgsrechnung weist zwar eine Verbesserung von 73 Millionen Franken gegenüber dem Budget aus. Dennoch resultiert ein Aufwandüberschuss von 6,6 Millionen Franken. Die Abweichung ist vor allem auf höhere Einnahmen zurückzuführen: Bei den Steuern gab es im Vergleich zum Budget Mehreinnahmen von 85,5 Millionen Franken, zudem gab es von der schweizerischen Nationalbank eine dreifache Ausschüttung, was zu Mehreinnahmen von 22,6 Millionen Franken geführt hat. «Das ist grundsätzlich positiv. Am strukturellen Defizit ändern diese einmaligen Faktoren indes nichts», sagte Finanzdirektor Urs Martin an einer Medienkonferenz.
Sorgen bereitet dem Regierungsrat weiterhin vor allem der tiefe Finanzierungsgrad. Im Jahr 2025 betrug das Nettoinvestitionsvolumen 102,5 Millionen Franken, was praktisch dem Budget entspricht. Doch auch in den kommenden Jahren stehen insbesondere in den Bereichen Bildung und Justiz hohe Investitionen an. Da die Finanzierungsrechnung auch 2025 mit einem Fehlbetrag von 95 Millionen Franken stark negativ ausfällt, beträgt der Selbstfinanzierungsgrad gerade einmal 7 Prozent. «Das heisst, dass wir trotz einem besseren Ergebnis, als wir budgetiert haben, im vergangenen Jahr nur sieben Prozent der Investitionen mit eigenen Mitteln finanzieren konnten. Den Rest müssen wir am Kapitalmarkt aufnehmen. Das sind trübe Aussichten. Denn wir wollen und müssen den Kanton Thurgau weiterentwickeln, und dazu gehören auch die dringend notwendigen Investitionen», sagte Urs Martin, und ergänzte: «Der Druck auf die Finanzen bleibt hoch. Ohne die laufende Aufgaben- und Verzichtsplanung wird es nicht möglich sein, das strukturelle Defizit zu bereinigen und künftige Investitionsprojekte aus eigenen Mitteln zu bestreiten.»
Nicht beeinflussbarer Aufwand hat erneut deutlich zugenommen
Der nicht beeinflussbare Aufwand nahm zum wiederholten Mal zu, 2025 waren es 60 Millionen Franken oder 4,5 Prozent gegenüber der Rechnung 2024. Diese Kostenentwicklung belastet den Staatshaushalt stark.
Insbesondere die Beiträge an Gemeinden und Gemeindezweckverbände sowie an die Spitalversorgungen tragen zu diesem Kostenwachstum bei. Ebenfalls haben die Ergänzungsleistungen um 6,2 Millionen Franken oder 4 Prozent gegenüber der Rechnung 2024 zugenommen. Der beeinflussbare Aufwand hingegen liegt wie in den Vorjahren unter dem Budget.
Aufgrund des negativen Ergebnisses hätte sich eigentlich auch das Eigenkapital weiter reduzieren müssen. 2025 wurden jedoch sämtliche Bilanzpositionen für die Rechnung überprüft und in Zusammenarbeit mit der Finanzkontrolle konsequent nach HRM2 neu gegliedert. Zwar wurde keine Neubewertung der Aktiven vorgenommen, jedoch führt die neue Rechnungslegung nach HRM2 dazu, dass Spezialfinanzierungen nicht mehr wie bis anhin zum Fremdkapital, sondern dem Eigenkapital zugerechnet werden müssen. «Dabei handelt es sich allerdings um einen rein buchhalterischen Effekt. Er führt aber zu einer Verbesserung von Eigenkapital und Nettovermögen um rund 350 Millionen Franken, während ohne Anpassung der Rechnungslegung sowohl Eigenkapital als auch Nettovermögen um über 40 Millionen Franken abgenommen hätten. Davon dürfen wir uns nicht täuschen lassen», sagte Urs Martin.
Staatskanzlei
Kanton Thurgau
Staatsrechnung 2025 Kanton Thurgau
