Expansionsgelüste

  22.10.2026 Kolumnen, Uttwil

Der lange Sommer neigt sich dem Ende zu. Die Uttwiler Lachmöwenkolonie hat die Hitzeperiode überstanden. Einzig ihr Flugrayon hat sich aufgrund des niedrigen Wasserstandes Richtung Nordost verschoben.

Bei der heutigen Lagebesprechung der Möwen drängt die Frage, was mit dem unerwarteten Landgewinn entlang des Seeufers geschehen soll. Eine heftige Diskussion entbrannt. Die GRÜNE unter den Möwen prescht vor und fordert, dass das neue Brachland als ökologische Ausgleichsfläche zu einer Auenlandschaft gestaltet werden müsse. Die SOZIALE meint, dass der gewonnene Uferabschnitt für den dringend benötigten sozialen, familienfreundlichen Wohnungsbau zu nützen sei. Diametral anders sieht es die BIKERIN. Ihrer Ansicht nach sei der stark frequentierte Seeradweg zu entlasten. Sie fordert für schnelle Gravels und gemütliche Radfahrer eigene Fahrbahnen, dies mit Richtungstrennung und direkt am See.

Die UNTERNEHMERIN in der Möwenfamilie schüttelt den Kopf. Auf dem neuen Landstreifen müsse Bauland für gute Steuerzahler generiert werden, sodass dereinst die neue Mehrzweckhalle finanziert werden könne. In die Diskussion mischt sich die JUNGE ein, welche wie üblich mit Verspätung zum Meeting kommt. Sie wünscht sich am See einen würdigen Jugendtreff, in Form einer Pfahlbausiedlung oder so. Aktuell komme man sich wie Fahrende vor. Immer wieder müsse der Jugendtreff an Provisorien verlegt werden. «Niemand will uns!»

Zu guter Letzt wischt das Votum der «altklugen» Lachmöwe, genannt die MUOTATHALERIN, all die Wünsche und Forderungen weg. Sie beobachtete das Verhalten der Uttwiler Würme und kommt zum Schluss, dass es einen ganz, ganz harten Winter mit viel Schnee und Schmelzwasser im Frühling geben werde. Schade, Schade …

Die Lachmöwe


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