«You filthy little mudblood!» – Rassenideologie in «Harry Potter»

  12.12.2024 Schule&Bildung, Romanshorn

KSR-Uninachmittage

Dass sich genaues Lesen, systematische Analyse und Transferdenken für ein Literaturstudium bewähren, beweist Englischlehrerin Jenny Wiget an den Uninachmittagen der KSR, indem sie eine der bekanntesten Buchreihen als grundlegend politisch klassifiziert.

Hufflepuff, Slytherin, Rawenclaw oder Gryffindor: Jenny Wiget lässt die an der Vorlesung Teilnehmenden mittels Test bestimmen, welchem der vier Internatshäuser der Hogwarts-Schule sie angehören und welche Werte sie vertreten. In der Auseinandersetzung wird ersichtlich, dass sich diese überschneiden, die Zuteilung also sehr willkürlich erfolgt – und so-mit auch die Gruppenzugehörigkeit durch Separation. Denn der Gedanke der Ausgrenzung durchzieht das ganze Werk von J. K. Rowling, von der Symbolik über die Handlungsebene zu den Figuren. Gerade der Gegenspieler Harry Potters, der dunkle Lord Voldemort, gehört dem stolzen und ambitionierten Haus Slytherin an, das sich für die Reinhaltung der Zauberrasse einsetzt und bei denen der Blutstatus ein entscheidendes Merkmal ist. Den reinblütigen Hexen und Zauberern soll die Welt gehören; alle muggelstämmigen (und somit auch Hermine Granger, die als «filthy little mudblood» beschimpft wird) müssen bekämpft und ausgerottet werden – und das, obwohl Voldemort selbst ironischerweise nur ein Halbblut ist. Seine Terrorherrschaft erinnert an Hitlers Regime. Liest man genau, so wie Jenny Wiget es de-monstriert, findet man Texthinweise für die tiefe Verankerung der Rassentrennung über alle sieben Bände verteilt. Symbolisch verdichtet gipfeln diese in der dem Werk zugrundeliegenden Frage: Wie weit soll man eine Ideologie vertreten oder gar vorantreiben?

Dass dies eine Frage ist, die sich Menschen immer noch stellen (müssen), zeigt auch der aktuelle politische Diskurs. Literatur fördert diesen, interveniert kritisch, regt zum Nachdenken an. Bringen die Schülerinnen und Schüler die analytischen Fähigkeiten mit und erkennen Zusammenhänge zwischen fiktiver und realer Welt, sind sie sicherlich für ein Literaturstudium geeignet – und natürlich auch, wenn sie die Begeisterung entwickeln, welche Jenny Wiget zeigt.

Mélanie Deiss


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