Auf ein Wort
26.03.2026 Romanshorn: offizielle MitteilungenHaben Sie in den letzten Wochen einmal bewusst innegehalten und den Blick durchs Zentrum schweifen lassen? Überlegt, welche Gebäude einen neuen Anstrich gebrauchen könnten, auf welche verzichtet werden könnte und welche unbedingt erhalten bleiben sollten?
Unsere Stadt ist im Aufbruch. Bauarbeiten, Absperrungen und Baugeräte prägen oftmals die Szenerie: Aktuell am Bahnhofplatz und an der Alleestrasse, beim ehemaligen Hydrel-Areal, bald in der unteren Bahnhofstrasse, an der Reckholdernstrasse sowie an der Kreuzlingerstrasse und bei der Huebzelg.
Dies markiert den Beginn von Neuem und von Vorhaben, die lange nur auf Papier oder in Köpfen existierten. Nun werden sie Realität. Eine Transformation, die das Stadtbild verändern wird.
Bauten sollen sich mit Respekt einfügen
Dies führt uns zu einer Kernfrage, die mich als Stadtpräsident und Einwohner bewegt: Wie finden wir das richtige Mass zwischen Bewahren und Erneuern?
Mit der Aufwertung des Bahnhofplatzes, der Entwicklung der unteren Bahnhofstrasse und dem künftigen Stadthaus+ nahe an der Alleestrasse mit Handel und Läden entstehen neue Impulse. Doch Erneuerung darf kein Selbstzweck sein. Wenn wir Altes durch Neues ersetzen, müssen wir uns fragen: Wo genau steckt die DNA unserer Stadt? Welche Gebäude, welche Strassen, welche Eigenheiten gehören zu Romanshorn? Selbstverständlich ist das Wasser ein zentrales Element der Hafenstadt.
Aber auch unsere Geschichte als bedeutender Verkehrsknotenpunkt und die markanten Sichtachsen prägen Romanshorn. Bewahren bedeutet jedoch keinesfalls das starre Festhalten an jeder baufälligen Fassade. Es bedeutet vielmehr, den Geist des Ortes in die Moderne zu überführen. Ein Neubau ist dann gelungen, wenn er die Geschichte unserer Stadt respektvoll weiterschreibt.
Das Romis von morgen beginnt heute
Es geht nicht um eine "Früher war alles besser"-Haltung, sondern darum, sich auf die Herausforderungen von morgen einzustellen. Das Gewerbe im Zentrum, auch wenn dieses städtebaulich attraktiver wird, wird weiter vor Herausforderungen stehen. Entscheidend wird sein, ob Sie, liebe Romishornerinnen und Romishorner, das Zentrum auch nutzen. Dies entscheidet über die Zukunft der Detaillistinnen und Detaillisten. Wir als Stadt können nur Anreize setzen. Und das tun wir.
Identität wird nicht alleine aus Beton, Stahl und Glas geformt. Das ist die Hardware, und sie ist wichtig. Viel entscheidender aber ist das soziale Gefüge dazwischen. Romanshorn wächst dynamisch. Damit dieses Wachstum organisch gelingt, müssen wir uns das "Dörfliche" im besten Sinn bewahren. Traditionen und Werte sind der unsichtbare Kitt unserer Gesellschaft. Eine gute Nachbarschaft, das Grüssen auf der Strasse, Offenheit gegenüber dem Nächsten und die Berücksichtigung lokaler Gewerbetreibender – das sind Qualitäten, die wir pflegen müssen.
Urban wachsen, menschlich bleiben
Integration und Zusammenhalt entstehen nicht durch Verordnungen, sondern durch gelebte Alltagskultur. Wir müssen Räume schaffen, in denen echte Begegnung möglich sind. Nicht mehr lange, und Romanshorn zählt 12'000 Einwohnende. Das birgt die Gefahr wachsender Anonymität – doch wir können gegensteuern und Vertrautheit wachsen lassen. Es liegt an uns allen, dafür zu sorgen, dass unsere Stadt trotz urbaner Entwicklung ein Ort mit Herz und sozialer Nahbarkeit bleibt.
Miteinander im Wandel
Lassen Sie uns diesen Weg des Wandels gemeinsam gehen. Mit Mut zur Veränderung dort, wo sie uns als Stadt weiterbringt, und mit Beharrlichkeit beim Bewahren dessen, was uns als Gemeinschaft im Kern ausmacht.
Ihr
Roger Martin

