Jugendraum: Vom Gemeinschaftswerk zur Stadtaufgabe
17.08.2026 Romanshorn: offizielle MitteilungenVor 40 Jahren legten vier Körperschaften den Grundstein für den Jugendraum Romanshorn. Heute ist die Jugendarbeit eine städtische Aufgabe – und der Treffpunkt bleibt gefragt wie eh und je.
1985 nahm eine gemeinsame Trägergruppe der Gemeinde, der Oberstufen- und Primarschulgemeinde sowie der katholischen Kirchgemeinde ihre Arbeit auf. Am 20. Juni 1986 wurde der Jugendtreff an der Salmsacherstrasse 1 eröffnet, wo er bis heute als Jugendraum von der kommunalen Jugendarbeit Romanshorn-Salmsach betrieben wird. Im Foyer hätten sich die Jugendlichen ungezwungen unterhalten können, der Betrieb sei erfreulich verlaufen, hiess es in den ersten Jahresberichten der Stadt.
Bedürfnisse der Jugend erkannt
Bald wurde das Pensum der Treffleitung auf 100 Prozent erhöht. 1992 wurden bei 16 Öffnungstagen pro Monat durchschnittlich 75 Jugendliche pro Abend gezählt. Für den Betrieb waren eine Verwaltungskommission und die Trägergruppe verantwortlich.
Bis 1993 präsidierte Christian Hug, einer der Mitbegründer des Jugendtreffs, diese Kommission. «Die Einrichtung eines Jugendtreffs war auch dem damaligen Zeitgeist geschuldet. Für die Jugendlichen war er eine wichtige Möglichkeit, sich zu begegnen», sagt Hug. Romanshorn habe sich damit fortschrittlich und offen gezeigt. Erfreulich sei auch die Zusammenarbeit der beteiligten Körperschaften gewesen.
Wert des Jugendraums unbestritten
Anfang der 2000er-Jahre wurde ein Projekt zur Jugendpolitik aufgegleist und ein neuer Standort geprüft. Ein auf einem Leitbild basierendes Konzept hielt fest, dass auch eine Mitmachstruktur aufgebaut werden solle.
Nach einem Vorfall mit Alkohol wurde der Jugendtreff vorübergehend geschlossen. 2003 nahm er unter neuer Leitung den Betrieb wieder auf. Zum 20-jährigen Bestehen hielt ein Leitbild 2006 fest, dass der Wert der Jugendarbeit unbestritten sei. Schliesslich übernahm die Stadt im Jahr 2010 den Betrieb.
Lange Suche nach einem Standort
Noch 2005 war vorgesehen, das Gebäude des Jugendtreffs abzubrechen. Während mehrerer Jahre wurde die Liegenschaft deshalb nur zurückhaltend unterhalten. Die Suche nach einem neuen Standort blieb jedoch erfolglos. Nach der Übernahme durch die Stadt erhielten die Jugendlichen die Möglichkeit, in den bestehenden Räumen selbst aktiv zu werden und diese zu renovieren und einzurichten. Die Stadt verstärkte den Grundunterhalt und erneuerte die Fassade und das Dach.
Graffiti erinnert an die Anfänge
Als die «IG feines Kino» Interesse an einer Nutzung des Gebäudes anmeldete, wurde für den Jugendtreff ein separater Hintereingang geschaffen. Dies trug zu einem guten Nebeneinander bei. Noch heute ist dort der Schriftzug «Neon» zu sehen. Er entstand an einem Graffiti-Day mit den Künstlern Adrian Brüllhardt und Tobias Leibundgut von «Dirtydrips». Im selben Jahr gestalteten sieben Mädchen den «Girlroom» neu.
Ein wichtiger Treffpunkt
Die Zahlen zeigen, dass ein Jugendraum und die offene Jugendarbeit weiterhin gefragt sind. Rund die Hälfte der 1640 Kinder und Jugendlichen in Romanshorn ist in Vereinen organisiert, ein grosser Teil davon in Sportvereinen. Für Jugendliche, die keine strukturierten Freizeitangebote nutzen, ist der Jugendraum ein wichtiger Treffpunkt.
Motivation auf Augenhöhe
Stadträtin Celina Hug war während der vergangenen vier Jahre als Ressortverantwortliche Gesellschaft für den Betrieb mitverantwortlich. «Man spürt, dass der Jugendraum die Jugendlichen anzieht», sagt sie. Das Leitungsteam probiere Neues aus, lade zum Mitmachen ein und begegne den Jugendlichen auf Augenhöhe. «Sie kommen gerne hierher, und die Angebote stossen auf Interesse.»
